prokai Fanfiction: Folge 2: „proikai“
4. Juli 2026 14 Min. Lesezeit
Disclaimer: Reale Software, fiktive Geschichte.
prokai ist eine real existierende HR-Software Komplettlösung, die neben Zeiterfassung und Projektmanagement auch auf ein komplettes ERP-System erweitert werden kann. Sie wird hier (im Gegensatz zum Rest der Geschichte) realistisch dargestellt. Alleinstellungsmerkmale von prokai sind tatsächlich eine schnelle Implementierung in wenigen Stunden, kinderleichte Bedienung und ein fairer kleiner Preis für KMUs. Diese Fanfiction ist ein humoristisches Herzensprojekt der Marketingabteilung von prokai. Ähnlichkeiten mit realen oder fiktiven Personen sind selbstverständlich rein zufällig. Sollte der BR (oder sonst jemand) eine bayerische Büro-Satire drehen wollen – bitte meldet euch bei uns. 😊
Folge 2: „proikai“

„Tell me why“, sangen Korbi und Sofie lauthals mit, während das Autoradio I don’t like Mondays von den Boomtown Rats spielte. Der Diskjockey des Regionalsenders bewies makabren Humor bei seiner Songauswahl für den Wochenstart und bescherte den beiden Kollegen gute Laune, während sie in der Blechlawine des Berufsverkehrs einen LKW-Fahrer beim Popeln beobachteten.
Es war der erste Arbeitstag nach dem Firmen-Halbmarathon und sie waren heilfroh, nicht mehr um 7:00 morgens mit ihrem Chef – dem „Moser“ – über den Lidl-Parkplatz joggen zu müssen.
„Haach“, seufzte Sofie, als Korbi ihr wenig später die Bürotüre aufhielt. „Ganz entspannt um 8:00 erstmal Kaffee machen…“,
Flieder war definitiv Teil ihres Dufts, dachte Korbi, als sie an ihm vorbei ging. Kurz trafen sich ihre Blicke. Er mochte Flieder und vielleicht mochte er auch …. Doch weiter kam er mit seinen Gedanken nicht.
„ROOIII“, bretterte Moser’s Bulldozer einer Stimme durch den Büroflur und hätte Korbi und Sofie fast wieder rückwärts zur Türe rausgeschoben. „Wisst’s ihr wos des is‘? Des hoaßt Return On Invest”, verschwendete ihr bayrischer Chef keine Sekunde auf einen Dialog. „Eine HR-Software ist dafür da, dass man woaß… na?“, erwartete er nun doch eine Antwort. Unter den zwei Mini-Rauhaardackeln, die als Augenbrauen dienten, blitzten Mosers intelligente Augen seine perplexen und noch unterkoffeinierten Mitarbeiter an. Sofie brachte immerhin den Mund auf, auch wenn nichts rauskam. Korbi hingegen war erstarrt.
„…dass man dank unserem HR-Tool prokai woaß, was des‘ ois‘ KOSTET!“, veredelte der Moser das Satzende mit einem lautstarken Tusch und fuhr dann fort:„Projekt Halbmarathon wird jetzt von euch zwoa in prokai finalisiert. Und dann lassen mia die Software ausrechnen, wos des Human Ressources technisch ois’ gebracht hat.“
Wie zwei erstarrte Rehe im Scheinwerferlicht glotzten Korbi und Sofie zurück.
„AUF JETZA!“, klatschte Moser in seine niederbayrischen Pranken und bewegte sich ob dieser frühmorgendlichen Energieleistung wie ein angeschossener Grizzlybär zurück in sein Büro. „I bring‘ des Humän zurück in Human Ressource. So schaut’s aus. prokai, prokai, prokai …“, hörten die beiden Pechvögel noch, bevor Mosers Bürotüre donnernd ins Schloss fiel.
Reden ist Silber, Schwitzen ist Gold
„Ich buche die Zeiteinträge von Moser, Oskar, Rosi, Frau Hänsle-Schmitt aufs Projekt Halbmarathon… und wir zwei zählen als eine Person. Also fünf insgesamt“, begann Sofie wenig motiviert. Auch wenn sie sich immerhin getraut hatten, einen Kaffee zu holen.
„Weil wir am Ende ausgefallen sind“, pflichtete Korbi bei.
„Eine halbe Stunde Training pro Arbeitstag haben die alle eingetragen …“, las Sofie weiter aus der Reportingmaske in prokai ab.
„… über drei Monate. Das sind dann 150 Arbeitsstunden, die der Firma fehlen“, rechnete Korbi laut im Kopf mit.
„prokai sagt 6.750€ Verlust. Durch Laufen während der Arbeitszeit…“, sie stöhnte auf, „und das müssen wir jetzt wieder reinholen, irgendwie.“ Ihr leerer Blick wanderte zur Decke, gefährlich nahe an einem Augenrollen.
„Studien zeigen, dass regelmäßiger Sport die Krankheitstage um circa 10–15 Prozent senken kann“, meinte Korbi, der plötzlich tief in sein Smartphone blickte.
“Jap. 15 Prozent bei uns, sagt prokai. Frau Hänsle-Schmitt war sogar gar nicht krank. Der Moser sowieso nicht”, freute sich Sofie.
Korbi richtete sich auf, rüttelte Sofie am Arm und zusammen blickten sie in die Reportingmaske.
„Das macht gute zehntausend Euro gut!”, stellte Korbi fest, als er die hinterlegten Stundensätze aus prokai aufrief. “Ha! Das heißt…”
“…wir haben’s schon! Sogar ohne den Marketing-Wert großzügig mit reinzurechnen… Der Moser hat mal wieder Recht gehabt.“ Sofie umarmte den sichtlich überraschten Korbi, dem gerade wieder schmerzlich bewusst wurde, dass sie verheiratet war. Egal, wie warm ihm ums Herz wurde.
Zum Glück steckte Oskar den Kopf zur Tür rein und meinte triumphierend: „Herr Moser hat mich zum Creative Director von Gesundkai gemacht! Nur dass ihr schonmal Bescheid wisst“.
„Gesundkai?“, fragten Korbi und Sofie aus einem Mund zurück.
„Genau!” Oskar räusperte sich und machte eine Kunstpause. “Gesundkai? Danke!“, meinte Oskar dann und deutete ein Niesen an. „So heißt die neue prokai-Werbekampagne, wo unsere HR-Kunden ein Whitepaper mit Success Case für Firmenfitness und betriebliches Gesundheitsmanagement bekommen“. Er schüttelte müde lächelnd den Kopf, als sei das Allgemeinwissen. Dann fuhr er fort: „Endlich bekomme ich die Verantwortung, die mir zusteht. Herr Moser wird stolz auf mich sein“, und stolzierte wie ein brunftiger Gockel davon.
„Ich hoffe, wir haben mit Oskar nicht Pest gegen Cholera eingetauscht“, knuffte Sofie Korbi in die Seite.
„Ich wette er will, dass wir seine proktologkai Idee miteinbauen“, witzelte Korbi zurück.
„Oh Gott“, stöhnte Sofie auf und lachte. „Nie im Leben lässt ihn der Moser das machen. Ich meine, manche unserer Marketingideen sind schon wild, aber es geht doch nie unter die Gürtellinie.“
„Wieso seh I no’ koan LinkedIn-Post zu prokai und das HR-Software in unter zwoa Stund‘ eingeführt ist?”, schallte es durchs Büro. Beide sahen sich an und seufzten unisono “Wir sind dran, Herr Moser” zurück.
Mit den Slogans, die ihrem Chef für die ROI-Kampagne vorschwebten (Gesundheit rechnet sich, prokai bringt Human zurück in Human Ressource und Betriebliches Gesundheitsmanagement in Reinform) wurde es schwer, das Projekt Halbmarathon mit dem nötigen Fingerspitzengefühl zu kommunizieren. Schließlich hatte Oskar einen Massensturz ausgelöst und Rosi hatte so übermotiviert Mund-zu-Mund-Beatmung geleistet, dass sich mehrere Anwälte bei Oskar gemeldet hatten. Zum Glück für prokai stand seine Loyalität aber unumstößlich fest.
Gespitzte Stifte
Wenige Kilometer entfernt, zwischen Heimeranplatz und Theresienwiese, saß Rita Umkehrer mit ihren Redaktionskollegen aus der DZ (Die Zeitung München) im Bavaria-Cafe und rührte lustlos in ihrem Kaffee. Sie brauchte mal wieder eine Titelgeschichte. Einen kleinen Skandal aus der Schickeria. Ein Plappermäulchen aus der Säbener Straße. Irgendwas.
“LinkedIn ist das neue Twitter. So einfach ist das, Rita”, plapperte der pausbäckige Möchtegern-Pulitzer auf seine Chefin ein. “Für uns Journalisten…”.
Rita schob tadelnd das knallrote Brillengeschirr bis zu ihrer Nasenwurzel hoch. Er hatte tatsächlich “uns” und “Journalisten” in einem Satz gesagt. Zu ihr! Vielleicht erbrach sie gleich ihren überteuerten Kaffee in seinen Oberlippenflaum.
“… für uns Journalisten ist es halt Money in se bank, wenn wir dort unsere Artikel bewerben”, fuhr ihr neuer Volontär Ümit unbeirrt fort.
Sie vermisste früher. Vermisste Rauchen am Schreibtisch, Tweedjacken, Sekretärinnen mit zu viel Lippenstift und Champagnerflaschen, wenn die Titelgeschichte den Kiosk leerkaufte. Jetzt sollte sie noch selbst Werbung für ihre Topstories machen. Ekelhaft.
“Komm, ich richte dir das ein”, versuchte Ümit es weiter.
“Meinetwegen”, schnaubte sie so vehement, dass ihre Föhnfrisur wackelte, und schob Ümit ihr Handy über den Tisch. Sie war nostalgisch, aber nicht dumm. “Schau! Da ist einiges los”, versuchte ihr das Jüngchen den Feed schmackhaft zu machen.
„prokai HR – Gesundzeit ist Geld“, stand dort ernsthaft in orangefarbenen Lettern. Sie runzelte die Stirn. Was war das für eine Plattform, wo man sowas ungestraft schreiben konnte? Das war ja fast schon pervers. Zwei Klicks später war sie nicht mehr überrascht, aber angefixt. Der bekannte bayrische Unternehmer – “Da Moser” – gebärdete sich regelrecht als Jesus auf dieser Plattform. Als Retter der Schwachen, Erlöser der Ungesunden. Gesundkai… na danke.
“I bring des Humän zurück in Human Ressource“, krakelte der menschgewordene Rauhaardackel in seine Selfiekamera und meinte es auch noch todernst.
Rita war sich sicher. Sie hatte ihre nächste Titelstory.
Sie kannte Moser von früher.
Und Rache ist süß.
Eindeutig Zweideutig
„Wie wär’s mit: Halber Marathon? Ganz eingeführt – HR-Software prokai in unter zwei Stunden implementiert“, begann Korbi mit dem Brainstorm.
Sofie verkniff sich mehr schlecht als recht ein Schmunzeln „Ganz eingeführt?“, fragte sie neckisch mit hüpfenden Augenbrauen. Jetzt grinsten sich beide an.
„HR bis zum Anschlag“, Sofie stützte sich vor Lachen an Korbis Schulter ab, dem keine Zeit zum Nachdenken blieb, weil sie direkt „Volle Ladung HR in dein Unternehmen“ hinterherschoss.
Ihre Gesichter waren sich jetzt ziemlich nahe. Sofies Lippen zogen unwillkürlich Korbis Blick an. Ich bin doch verheiratet Herr Moser, schoss ihm das mitgehörte Gespräch durch den Kopf.
„prokai HR: Schneller eingeführt, als Rosis Zunge in Oskar“, brachte er zum Glück hervor, um zur alten Gesprächsebene zurückzukehren. Sofie lehnte sich zu seiner Erleichterung zurück und legte ihren Kopf leicht schief. „Vielleicht besser: Rosi’s Zunge in Oskars Mund. Nicht das man was falsches denkt.“ Korbi blieb kurz die Spucke weg und Sofie schob schnell, als sie seinen Blick bemerkte, noch hinterher „Mann bin ich heute dirty unterwegs. Im wahrsten Sinne des Wortes.“
Kurz entstand Stille.
„Mhm“, kündigte sein Mund eine Idee an. Sofie liebte diese kleinen Anzeichen, wenn sich eine Idee unter dem Wuschelkopf anbahnte. „prokai HR: vertrauen Sie der Mund-zu-Mund-Propaganda.“
„Oh, sehr gut“, kommentierte Sofie. „Jetzt fehlt uns nur noch Frau Hänsle-Schmitt und ihr tatsächlicher Halbmarathon in unter zwei Stunden. Länger darf es ja nicht dauern, HR-Software einzuführen.“
„Vielleicht so eine Gegenüberstellung. Links Frau Hänsle-Schmitt, wo sie im prokai-Shirt stolz die 01:59:13 hochhält. Und rechts die prokai-App mit Personalwesen, Zeiterfassung und Co.“
„Oh ja! Und der Slogan – Muss laufen -“
„Perfekt.“
„prokai HR: läuft schneller als Frau Hänsle-Schmitt.“
„Super! Jetzt haben wir genug für mindestens zehn gute Werbeposts für Social Media und LinkedIn.“
Sofie und Korbi versuchten noch ein paar Ecken und Kanten abzufeilen, aber damit die Selfie-Videos, die da Moser ihnen für die Kampagne geschickt hatte, sich nahtlos in die Werbekampagne einfügten, behielten ein paar LinkedIn-Posts auch ihre Schärfe. Wortwörtlich scharf, dachte Sofie mit einem Seitenblick auf Korbis verwuschelte Haare. Jetzt hat sich wieder alles normal angefühlt zwischen uns.
Während Sofie dem Impuls widerstand, in Korbis Haare zu greifen, griff Rita Umkehrer von Die Zeitung München sich ihren Notizblock und sezierte die prokai Werbebotschaften, die nach und nach in ihrem LinkedIn-Feed aufploppten. Eine kritische Frage nach der nächsten füllte den Block der Reporterin.
Das Interview
“Jo mei Rita! Bist du’s?”, flogen Worte und auch ein bisschen Brathendl der Journalistin entgegen. Da Moser, der gerade in den Hähnchenschenkel in seiner Rechten gebissen hatte, fuchtelte aufgeregt mit den Armen, was den Brathendl-Regen noch verstärkte. “Woasd’ no’? Mia san doch in d’ Schui gonga!”
Rita und Ümit hatten kurzerhand beschlossen, das Schwein (in diesem Fall eher Wildschwein) ihrer Story auf dem Lidl-Parkplatz vor dem prokai-Büro abzupassen. Gemeine Fragen lauerten hinter ihrer knallroten Reporterbrille, das altmodische Diktiergerät aus den Achtzigern lag kokett auf ihrer Handfläche. Ümit hingegen filmte unerkannt mit seinen Smart Glasses. Die alte und die neue Welt der Klatschpresse brachten sich in Stellung.
“Griaß di, Moser. Ich bin jetzt bei der Zeitung”, startete Rita bewusst unverdächtig. “Du bist mit deiner HR-Software prokai relativ erfolgreich, habe ich gehört?”, köderte sie den geborenen Marktschreier drauf loszusprechen. Für den bayrischen Unternehmer schien es das Natürlichste der Welt zu sein, beim mitttäglichen Hendlessen zu seinem geliebten HR-Baby prokai interviewt zu werden. Gleich würde sie den ersten journalistischen Leberhaken abfeuern…
“… kinderleicht zum Bedienen und a’ fairer Preis – des macht prokai als HR-Software zu einer g’scheiten Lösung für Unternehmen”, spulte Mosers Schnauzbart zwischen Hendl und Luftholen ab. “Und schnell eingeführt ist prokai auch. HR-Software sollte kein Marathon sein. Zum Beweis san mia ein Halbmarathon…”
So war er früher schon gewesen, dachte Rita, so vorhersehbar. Motiviert bis hinter seine gewaltigen Ohrwaschel, darauf brennend, jederzeit jedem überall sein aktuelles Projekt anzupreisen. Zeit, dass der menschgewordene Rauhaardackel sich selbst ein Ei legte.
“Ist die Gesundheit deiner Mitarbeiter also ein Geschäft für dich?”, fragte Rita mit den großen Augen eines unschuldigen Rehkitzes. “Im Internet wirbst du mit – Zitat – Gesundzeit ist Geld”.
“Natürlich rechne ich des in Euro um. Was soll I denn sonst hernehmen? Gefühle?”, blaffte Moser zurück, und Rita wischte sich ein Stück Fleisch von ihrer Stirn.
“Der große Firmenlauf im Olympiapark ist eigentlich für den guten Zweck und nicht um…”, versuchte sie einzuwenden, doch Moser fiel ihr direkt ins Wort.
“Des geht doch auf! Gesundheitsmanagement rechnet sich ned’ bloß, des bringt gescheit Kohle rein! Bloß weil mia des mit prokai beweisen können… Jeder, der wo was dagegen sagt, is’ a Heuchler! I hob gleich am Anfang scho‘ gesagt: Reden ist Silber, Schwitzen ist Gold!”, schloss Moser breit grinsend und riss mit den gebleckten Zähnen einen dicken Hautfetzen von seiner Hähnchenkeule ab.
“Deine Mitarbeiter haben auch Rechte, die kannst du nicht einfach zwingen…”
“„I zwing daherin niemanden!”, unterbrach er kauend. “Bei uns bei prokai laufen die Leut’ während der Arbeitszeit. WÄHREND!” Es flogen Sehnen, Fett und Knorpel. “Zeigst mir ein Geschaftler von dene Toloitte-Hanseln oder den Alt-von-Glänz-Spezln, die wo des so gescheit machen wie mia.”
“Eine Mitarbeiterin soll kurz vor der Rente stehen und trotzdem mitgelaufen sein. Überlast…”
“Ah ge Überlastung! Geh amoi zua Baustelln. Überlastung von a halber Stund’ laufen.“ Moser schüttelte seinen vor Hendl triefenden Schnauzbart vehement von links nach rechts.
“Wie geht es dem verunfallten Mitarbeiter?”
„Fragens ihn doch, der Schlag auf dem sein Hinterkopf hat bloß des Denkvermögen erhöht. Oskar ist ganz a‘ schlauer, der werd‘ jetz‘ selbst Werbekampagnen mocha. Gesundkai oder so. Fragens ihn selbst“. Moser deutete mit der Keule auf die andere Straßenseite, wo sich das Büro befand.
“Ich finde die Aussage schlimm, vor allem, weil es danach zu einer nicht-einvernehmlichen …”
„Des war a Notsituation. Die Rosi is’ a Heldin. Niemand sagt wos’ gegen unsere Mutter Theresa”, bellte Moser und unterstrich seine Aussage, indem er mit dem mittlerweile abgenagten Hähnchenknochen erst auf Ritas und dann auf Ümits Gesicht zielte. Der junge Volontär wich unwillkürlich Schritt um Schritt zurück und erwartete jederzeit eine voranstürmenden wilde Ebersau.
“Und jetzt noch einen Journalisten bedrohen…”, schnaufte Rita. Egal. Hauptsache, sie hatte genug im Kasten, um sich für die gemeinsame Schulzeit zu rächen und das Internet mit TikToks, Reels (oder wie der ganze Schmarrn hieß) zu fluten, dem Moser zu ungewollter Berühmtheit zu verhelfen und die nächste dicke Furche in ihr Reporter-Kerbholz zu schnitzen.
Plötzlich total ruhig und mit barmherzig warmem Brustton meinte da Moser: „Ah ge Rita, bloß weil I mich damals für mei Frau und ned dich entschieden hob. Jetza sei ned so.“ Wie ein Dorfpastor breitete er versöhnlich die Arme aus und sprach beruhigend zu seinen Schäfchen: „Des war doch no‘ in da Schui. Mia san heuer alle oid genug.“
Rita war stocksteif und so rot wie ihre Brille. Ümit blickte unschlüssig zwischen seiner Chefin und dem väterlichen Grizzlybären hin und her. Dann schaltete er heimlich seine Smart Glasses aus und brachte Rita zurück zum Auto.
Dornige Chancen
Griaß-Di-TV, Kabel Bayern und sogar ein BR-Mikrophon entdeckten Korbi und Sofie, als sie sich hinterm Moser auf der selbstorganisierten Pressekonferenz vor dem prokai-Büro befanden. Durch die Skandalisierung der DZ war da Moser gezwungen gewesen, das 1×1 der Krisenkommunikation abzuspulen und sich den Fragen der Presse ordentlich zu stellen. Sämtliche Werbeaufsteller von Wenn dich deine HR-Software zur diva macht – teste prokai über prokai, die regionale Softwarespezialität für Ihre HR bis hin zum Grund, warum sie alle hier waren: HR-Einführung sollte kein Marathon sein – prokai ist in unter zwei Stunden implementiert.
Oskar und Rosi standen links, Frau Hänsle-Schmitt direkt hinter und Korbi und Sofie rechts vom Moser, der sich vor den Journalisten aufgebaut hatte.
Gewohnt überzeugend brachte da Moser die Reporter und Fotografen auf seine Seite.
Am Ende mussten sich Rosi und Oskar vor versammelter Mannschaft küssen, um Einvernehmlichkeit zu beweisen. Was vor allem Rosi genoss und sichtlich motiviert an die Sache heranging. Oskar blieb nichts anderes übrig, als brav mit ihr knutschen. er griff am Ende sogar an Rosis Hintern, was Korbi ihm hoch anrechnete. Vielleicht beruhte es doch auf Gegenseitigkeit, zumindest mittlerweile. Einigen Reportern war es so unangenehm das mitanzusehen, dass sie einfach irgendwann anfingen, zusammenzupacken. Sogar da Moser sah sich irgendwann gezwungen, mit einem nervösen Lachen den wildgewordenen Teenagern während ihrer zweiten Jugend auf die Schultern zu klopfen, um sie zum Aufhören zu bewegen.
Frau Hänsle-Schmitt versicherte nochmal allen, dass sie bester Gesundheit sei und empörte sich darüber, man wolle ihr das Recht absprechen “a bissl a’ Lauftraining” zu machen. Außerdem sei sie die Schnellste von prokai gewesen, könne man nicht darüber vielleicht mal berichten. “Dreckerte Ratschkathl” seien die Zielgruppe dieser Schmutzkampagne.
Wenig später, als die gesammelte Mannschaft den improvisierten Messerstand abbaute, fragte Frau Hänsle-Schmitt: „Ja zefix, wo is‘ jetzt da Moser?“
Breit grinsend kam dieser mit einem Zettel in der Hand um die Ecke gebogen. „Griaß-Di-TV benutzt jetzt prokai als deren HR-Software. Des san 90 User. Da Produktionsleiter hat grad unterschrieben.“
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Crossposting – Canonical bzw. Original auf prokai.de – Fanfiktion.de / AO3 / Wattpad
Crossposting – Canonical bzw. Original auf prokai.de – Fanfiktion.de / AO3 / Wattpad