Disclaimer: Reale Software, fiktive Geschichte.
prokai ist eine real existierende HR-Software Komplettlösung, die neben Zeiterfassung und Projektmanagement auch auf ein komplettes ERP-System erweitert werden kann. Sie wird hier (im Gegensatz zum Rest der Geschichte) realistisch dargestellt. Alleinstellungsmerkmale von prokai sind tatsächlich eine schnelle Implementierung in wenigen Stunden, kinderleichte Bedienung und ein fairer kleiner Preis für KMUs. Diese Fanfiction ist ein humoristisches Herzensprojekt der Marketingabteilung von prokai. Ähnlichkeiten mit realen oder fiktiven Personen sind selbstverständlich rein zufällig. Sollte der BR (oder sonst jemand) eine bayerische Büro-Satire drehen wollen – bitte meldet euch bei uns. 😊
Folge 2: „proikai“

„Tell me why“, sangen Korbi und Sofie lauthals mit, während das Autoradio I don’t like Mondays von den Boomtown Rats spielte. Der Diskjockey des Regionalsenders bewies makabren Humor bei seiner Songauswahl für den Wochenstart und bescherte den beiden Kollegen gute Laune, während sie in der Blechlawine des Berufsverkehrs einen LKW-Fahrer beim Popeln beobachteten.
Es war der erste Arbeitstag nach dem Firmen-Halbmarathon und sie waren heilfroh, nicht mehr um 7:00 morgens mit ihrem Chef – dem „Moser“ – über den Lidl-Parkplatz joggen zu müssen.
„Haach“, seufzte Sofie, als Korbi ihr wenig später die Bürotüre aufhielt. „Ganz entspannt um 8:00 erstmal Kaffee machen…“,
Flieder war definitiv Teil ihres Dufts, dachte Korbi, als sie an ihm vorbei ging. Kurz trafen sich ihre Blicke. Er mochte Flieder und vielleicht mochte er auch …. Doch weiter kam er mit seinen Gedanken nicht.
„ROOIII“, bretterte Moser’s Bulldozer einer Stimme durch den Büroflur und hätte Korbi und Sofie fast wieder rückwärts zur Türe rausgeschoben. „Wisst’s ihr wos des is‘? Des hoaßt Return On Invest”, verschwendete ihr bayrischer Chef keine Sekunde auf einen Dialog. „Eine HR-Software ist dafür da, dass man woaß… na?“, erwartete er nun doch eine Antwort. Unter den zwei Mini-Rauhaardackeln, die als Augenbrauen dienten, blitzten Mosers intelligente Augen seine perplexen und noch unterkoffeinierten Mitarbeiter an. Sofie brachte immerhin den Mund auf, auch wenn nichts rauskam. Korbi hingegen war erstarrt.
„…dass man dank unserem HR-Tool prokai woaß, was des‘ ois‘ KOSTET!“, veredelte der Moser das Satzende mit einem lautstarken Tusch und fuhr dann fort:„Projekt Halbmarathon wird jetzt von euch zwoa in prokai finalisiert. Und dann lassen mia die Software ausrechnen, wos des Human Ressources technisch ois’ gebracht hat.“
Wie zwei erstarrte Rehe im Scheinwerferlicht glotzten Korbi und Sofie zurück.
„AUF JETZA!“, klatschte Moser in seine niederbayrischen Pranken und bewegte sich ob dieser frühmorgendlichen Energieleistung wie ein angeschossener Grizzlybär zurück in sein Büro. „I bring‘ des Humän zurück in Human Ressource. So schaut’s aus. prokai, prokai, prokai …“, hörten die beiden Pechvögel noch, bevor Mosers Bürotüre donnernd ins Schloss fiel.
Reden ist Silber, Schwitzen ist Gold
„Ich buche die Zeiteinträge von Moser, Oskar, Rosi, Frau Hänsle-Schmitt aufs Projekt Halbmarathon… und wir zwei zählen als eine Person. Also fünf insgesamt“, begann Sofie wenig motiviert. Auch wenn sie sich immerhin getraut hatten, einen Kaffee zu holen.
„Weil wir am Ende ausgefallen sind“, pflichtete Korbi bei.
„Eine halbe Stunde Training pro Arbeitstag haben die alle eingetragen …“, las Sofie weiter aus der Reportingmaske in prokai ab.
„… über drei Monate. Das sind dann 150 Arbeitsstunden, die der Firma fehlen“, rechnete Korbi laut im Kopf mit.
„prokai sagt 6.750€ Verlust. Durch Laufen während der Arbeitszeit…“, sie stöhnte auf, „und das müssen wir jetzt wieder reinholen, irgendwie.“ Ihr leerer Blick wanderte zur Decke, gefährlich nahe an einem Augenrollen.
„Studien zeigen, dass regelmäßiger Sport die Krankheitstage um circa 10–15 Prozent senken kann“, meinte Korbi, der plötzlich tief in sein Smartphone blickte.
“Jap. 15 Prozent bei uns, sagt prokai. Frau Hänsle-Schmitt war sogar gar nicht krank. Der Moser sowieso nicht”, freute sich Sofie.
Korbi richtete sich auf, rüttelte Sofie am Arm und zusammen blickten sie in die Reportingmaske.
„Das macht gute zehntausend Euro gut!”, stellte Korbi fest, als er die hinterlegten Stundensätze aus prokai aufrief. “Ha! Das heißt…”
“…wir haben’s schon! Sogar ohne den Marketing-Wert großzügig mit reinzurechnen… Der Moser hat mal wieder Recht gehabt.“ Sofie umarmte den sichtlich überraschten Korbi, dem gerade wieder schmerzlich bewusst wurde, dass sie verheiratet war. Egal, wie warm ihm ums Herz wurde.
Zum Glück steckte Oskar den Kopf zur Tür rein und meinte triumphierend: „Herr Moser hat mich zum Creative Director von Gesundkai gemacht! Nur dass ihr schonmal Bescheid wisst“.
„Gesundkai?“, fragten Korbi und Sofie aus einem Mund zurück.
„Genau!” Oskar räusperte sich und machte eine Kunstpause. “Gesundkai? Danke!“, meinte Oskar dann und deutete ein Niesen an. „So heißt die neue prokai-Werbekampagne, wo unsere HR-Kunden ein Whitepaper mit Success Case für Firmenfitness und betriebliches Gesundheitsmanagement bekommen“. Er schüttelte müde lächelnd den Kopf, als sei das Allgemeinwissen. Dann fuhr er fort: „Endlich bekomme ich die Verantwortung, die mir zusteht. Herr Moser wird stolz auf mich sein“, und stolzierte wie ein brunftiger Gockel davon.
„Ich hoffe, wir haben mit Oskar nicht Pest gegen Cholera eingetauscht“, knuffte Sofie Korbi in die Seite.
„Ich wette er will, dass wir seine proktologkai Idee miteinbauen“, witzelte Korbi zurück.
„Oh Gott“, stöhnte Sofie auf und lachte. „Nie im Leben lässt ihn der Moser das machen. Ich meine, manche unserer Marketingideen sind schon wild, aber es geht doch nie unter die Gürtellinie.“
„Wieso seh I no’ koan LinkedIn-Post zu prokai und das HR-Software in unter zwoa Stund‘ eingeführt ist?”, schallte es durchs Büro. Beide sahen sich an und seufzten unisono “Wir sind dran, Herr Moser” zurück.
Mit den Slogans, die ihrem Chef für die ROI-Kampagne vorschwebten (Gesundheit rechnet sich, prokai bringt Human zurück in Human Ressource und Betriebliches Gesundheitsmanagement in Reinform) wurde es schwer, das Projekt Halbmarathon mit dem nötigen Fingerspitzengefühl zu kommunizieren. Schließlich hatte Oskar einen Massensturz ausgelöst und Rosi hatte so übermotiviert Mund-zu-Mund-Beatmung geleistet, dass sich mehrere Anwälte bei Oskar gemeldet hatten. Zum Glück für prokai stand seine Loyalität aber unumstößlich fest.
Gespitzte Stifte
Wenige Kilometer entfernt, zwischen Heimeranplatz und Theresienwiese, saß Rita Umkehrer mit ihren Redaktionskollegen aus der DZ (Die Zeitung München) im Bavaria-Cafe und rührte lustlos in ihrem Kaffee. Sie brauchte mal wieder eine Titelgeschichte. Einen kleinen Skandal aus der Schickeria. Ein Plappermäulchen aus der Säbener Straße. Irgendwas.
“LinkedIn ist das neue Twitter. So einfach ist das, Rita”, plapperte der pausbäckige Möchtegern-Pulitzer auf seine Chefin ein. “Für uns Journalisten…”.
Rita schob tadelnd das knallrote Brillengeschirr bis zu ihrer Nasenwurzel hoch. Er hatte tatsächlich “uns” und “Journalisten” in einem Satz gesagt. Zu ihr! Vielleicht erbrach sie gleich ihren überteuerten Kaffee in seinen Oberlippenflaum.
“… für uns Journalisten ist es halt Money in se bank, wenn wir dort unsere Artikel bewerben”, fuhr ihr neuer Volontär Ümit unbeirrt fort.
Sie vermisste früher. Vermisste Rauchen am Schreibtisch, Tweedjacken, Sekretärinnen mit zu viel Lippenstift und Champagnerflaschen, wenn die Titelgeschichte den Kiosk leerkaufte. Jetzt sollte sie noch selbst Werbung für ihre Topstories machen. Ekelhaft.
“Komm, ich richte dir das ein”, versuchte Ümit es weiter.
“Meinetwegen”, schnaubte sie so vehement, dass ihre Föhnfrisur wackelte, und schob Ümit ihr Handy über den Tisch. Sie war nostalgisch, aber nicht dumm. “Schau! Da ist einiges los”, versuchte ihr das Jüngchen den Feed schmackhaft zu machen.
„prokai HR – Gesundzeit ist Geld“, stand dort ernsthaft in orangefarbenen Lettern. Sie runzelte die Stirn. Was war das für eine Plattform, wo man sowas ungestraft schreiben konnte? Das war ja fast schon pervers. Zwei Klicks später war sie nicht mehr überrascht, aber angefixt. Der bekannte bayrische Unternehmer – “Da Moser” – gebärdete sich regelrecht als Jesus auf dieser Plattform. Als Retter der Schwachen, Erlöser der Ungesunden. Gesundkai… na danke.
“I bring des Humän zurück in Human Ressource“, krakelte der menschgewordene Rauhaardackel in seine Selfiekamera und meinte es auch noch todernst.
Rita war sich sicher. Sie hatte ihre nächste Titelstory.
Sie kannte Moser von früher.
Und Rache ist süß.
Eindeutig Zweideutig
„Wie wär’s mit: Halber Marathon? Ganz eingeführt – HR-Software prokai in unter zwei Stunden implementiert“, begann Korbi mit dem Brainstorm.
Sofie verkniff sich mehr schlecht als recht ein Schmunzeln „Ganz eingeführt?“, fragte sie neckisch mit hüpfenden Augenbrauen. Jetzt grinsten sich beide an.
„HR bis zum Anschlag“, Sofie stützte sich vor Lachen an Korbis Schulter ab, dem keine Zeit zum Nachdenken blieb, weil sie direkt „Volle Ladung HR in dein Unternehmen“ hinterherschoss.
Ihre Gesichter waren sich jetzt ziemlich nahe. Sofies Lippen zogen unwillkürlich Korbis Blick an. Ich bin doch verheiratet Herr Moser, schoss ihm das mitgehörte Gespräch durch den Kopf.
„prokai HR: Schneller eingeführt, als Rosis Zunge in Oskar“, brachte er zum Glück hervor, um zur alten Gesprächsebene zurückzukehren. Sofie lehnte sich zu seiner Erleichterung zurück und legte ihren Kopf leicht schief. „Vielleicht besser: Rosi’s Zunge in Oskars Mund. Nicht das man was falsches denkt.“ Korbi blieb kurz die Spucke weg und Sofie schob schnell, als sie seinen Blick bemerkte, noch hinterher „Mann bin ich heute dirty unterwegs. Im wahrsten Sinne des Wortes.“
Kurz entstand Stille.
„Mhm“, kündigte sein Mund eine Idee an. Sofie liebte diese kleinen Anzeichen, wenn sich eine Idee unter dem Wuschelkopf anbahnte. „prokai HR: vertrauen Sie der Mund-zu-Mund-Propaganda.“
„Oh, sehr gut“, kommentierte Sofie. „Jetzt fehlt uns nur noch Frau Hänsle-Schmitt und ihr tatsächlicher Halbmarathon in unter zwei Stunden. Länger darf es ja nicht dauern, HR-Software einzuführen.“
„Vielleicht so eine Gegenüberstellung. Links Frau Hänsle-Schmitt, wo sie im prokai-Shirt stolz die 01:59:13 hochhält. Und rechts die prokai-App mit Personalwesen, Zeiterfassung und Co.“
„Oh ja! Und der Slogan – Muss laufen -“
„Perfekt.“
„prokai HR: läuft schneller als Frau Hänsle-Schmitt.“
„Super! Jetzt haben wir genug für mindestens zehn gute Werbeposts für Social Media und LinkedIn.“
Sofie und Korbi versuchten noch ein paar Ecken und Kanten abzufeilen, aber damit die Selfie-Videos, die da Moser ihnen für die Kampagne geschickt hatte, sich nahtlos in die Werbekampagne einfügten, behielten ein paar LinkedIn-Posts auch ihre Schärfe. Wortwörtlich scharf, dachte Sofie mit einem Seitenblick auf Korbis verwuschelte Haare. Jetzt hat sich wieder alles normal angefühlt zwischen uns.
Während Sofie dem Impuls widerstand, in Korbis Haare zu greifen, griff Rita Umkehrer von Die Zeitung München sich ihren Notizblock und sezierte die prokai Werbebotschaften, die nach und nach in ihrem LinkedIn-Feed aufploppten. Eine kritische Frage nach der nächsten füllte den Block der Reporterin.
Das Interview
“Jo mei Rita! Bist du’s?”, flogen Worte und auch ein bisschen Brathendl der Journalistin entgegen. Da Moser, der gerade in den Hähnchenschenkel in seiner Rechten gebissen hatte, fuchtelte aufgeregt mit den Armen, was den Brathendl-Regen noch verstärkte. “Woasd’ no’? Mia san doch in d’ Schui gonga!”
Rita und Ümit hatten kurzerhand beschlossen, das Schwein (in diesem Fall eher Wildschwein) ihrer Story auf dem Lidl-Parkplatz vor dem prokai-Büro abzupassen. Gemeine Fragen lauerten hinter ihrer knallroten Reporterbrille, das altmodische Diktiergerät aus den Achtzigern lag kokett auf ihrer Handfläche. Ümit hingegen filmte unerkannt mit seinen Smart Glasses. Die alte und die neue Welt der Klatschpresse brachten sich in Stellung.
“Griaß di, Moser. Ich bin jetzt bei der Zeitung”, startete Rita bewusst unverdächtig. “Du bist mit deiner HR-Software prokai relativ erfolgreich, habe ich gehört?”, köderte sie den geborenen Marktschreier drauf loszusprechen. Für den bayrischen Unternehmer schien es das Natürlichste der Welt zu sein, beim mitttäglichen Hendlessen zu seinem geliebten HR-Baby prokai interviewt zu werden. Gleich würde sie den ersten journalistischen Leberhaken abfeuern…
“… kinderleicht zum Bedienen und a’ fairer Preis – des macht prokai als HR-Software zu einer g’scheiten Lösung für Unternehmen”, spulte Mosers Schnauzbart zwischen Hendl und Luftholen ab. “Und schnell eingeführt ist prokai auch. HR-Software sollte kein Marathon sein. Zum Beweis san mia ein Halbmarathon…”
So war er früher schon gewesen, dachte Rita, so vorhersehbar. Motiviert bis hinter seine gewaltigen Ohrwaschel, darauf brennend, jederzeit jedem überall sein aktuelles Projekt anzupreisen. Zeit, dass der menschgewordene Rauhaardackel sich selbst ein Ei legte.
“Ist die Gesundheit deiner Mitarbeiter also ein Geschäft für dich?”, fragte Rita mit den großen Augen eines unschuldigen Rehkitzes. “Im Internet wirbst du mit – Zitat – Gesundzeit ist Geld”.
“Natürlich rechne ich des in Euro um. Was soll I denn sonst hernehmen? Gefühle?”, blaffte Moser zurück, und Rita wischte sich ein Stück Fleisch von ihrer Stirn.
“Der große Firmenlauf im Olympiapark ist eigentlich für den guten Zweck und nicht um…”, versuchte sie einzuwenden, doch Moser fiel ihr direkt ins Wort.
“Des geht doch auf! Gesundheitsmanagement rechnet sich ned’ bloß, des bringt gescheit Kohle rein! Bloß weil mia des mit prokai beweisen können… Jeder, der wo was dagegen sagt, is’ a Heuchler! I hob gleich am Anfang scho‘ gesagt: Reden ist Silber, Schwitzen ist Gold!”, schloss Moser breit grinsend und riss mit den gebleckten Zähnen einen dicken Hautfetzen von seiner Hähnchenkeule ab.
“Deine Mitarbeiter haben auch Rechte, die kannst du nicht einfach zwingen…”
“„I zwing daherin niemanden!”, unterbrach er kauend. “Bei uns bei prokai laufen die Leut’ während der Arbeitszeit. WÄHREND!” Es flogen Sehnen, Fett und Knorpel. “Zeigst mir ein Geschaftler von dene Toloitte-Hanseln oder den Alt-von-Glänz-Spezln, die wo des so gescheit machen wie mia.”
“Eine Mitarbeiterin soll kurz vor der Rente stehen und trotzdem mitgelaufen sein. Überlast…”
“Ah ge Überlastung! Geh amoi zua Baustelln. Überlastung von a halber Stund’ laufen.“ Moser schüttelte seinen vor Hendl triefenden Schnauzbart vehement von links nach rechts.
“Wie geht es dem verunfallten Mitarbeiter?”
„Fragens ihn doch, der Schlag auf dem sein Hinterkopf hat bloß des Denkvermögen erhöht. Oskar ist ganz a‘ schlauer, der werd‘ jetz‘ selbst Werbekampagnen mocha. Gesundkai oder so. Fragens ihn selbst“. Moser deutete mit der Keule auf die andere Straßenseite, wo sich das Büro befand.
“Ich finde die Aussage schlimm, vor allem, weil es danach zu einer nicht-einvernehmlichen …”
„Des war a Notsituation. Die Rosi is’ a Heldin. Niemand sagt wos’ gegen unsere Mutter Theresa”, bellte Moser und unterstrich seine Aussage, indem er mit dem mittlerweile abgenagten Hähnchenknochen erst auf Ritas und dann auf Ümits Gesicht zielte. Der junge Volontär wich unwillkürlich Schritt um Schritt zurück und erwartete jederzeit eine voranstürmenden wilde Ebersau.
“Und jetzt noch einen Journalisten bedrohen…”, schnaufte Rita. Egal. Hauptsache, sie hatte genug im Kasten, um sich für die gemeinsame Schulzeit zu rächen und das Internet mit TikToks, Reels (oder wie der ganze Schmarrn hieß) zu fluten, dem Moser zu ungewollter Berühmtheit zu verhelfen und die nächste dicke Furche in ihr Reporter-Kerbholz zu schnitzen.
Plötzlich total ruhig und mit barmherzig warmem Brustton meinte da Moser: „Ah ge Rita, bloß weil I mich damals für mei Frau und ned dich entschieden hob. Jetza sei ned so.“ Wie ein Dorfpastor breitete er versöhnlich die Arme aus und sprach beruhigend zu seinen Schäfchen: „Des war doch no‘ in da Schui. Mia san heuer alle oid genug.“
Rita war stocksteif und so rot wie ihre Brille. Ümit blickte unschlüssig zwischen seiner Chefin und dem väterlichen Grizzlybären hin und her. Dann schaltete er heimlich seine Smart Glasses aus und brachte Rita zurück zum Auto.
Dornige Chancen
Griaß-Di-TV, Kabel Bayern und sogar ein BR-Mikrophon entdeckten Korbi und Sofie, als sie sich hinterm Moser auf der selbstorganisierten Pressekonferenz vor dem prokai-Büro befanden. Durch die Skandalisierung der DZ war da Moser gezwungen gewesen, das 1×1 der Krisenkommunikation abzuspulen und sich den Fragen der Presse ordentlich zu stellen. Sämtliche Werbeaufsteller von Wenn dich deine HR-Software zur diva macht – teste prokai über prokai, die regionale Softwarespezialität für Ihre HR bis hin zum Grund, warum sie alle hier waren: HR-Einführung sollte kein Marathon sein – prokai ist in unter zwei Stunden implementiert.
Oskar und Rosi standen links, Frau Hänsle-Schmitt direkt hinter und Korbi und Sofie rechts vom Moser, der sich vor den Journalisten aufgebaut hatte.
Gewohnt überzeugend brachte da Moser die Reporter und Fotografen auf seine Seite.
Am Ende mussten sich Rosi und Oskar vor versammelter Mannschaft küssen, um Einvernehmlichkeit zu beweisen. Was vor allem Rosi genoss und sichtlich motiviert an die Sache heranging. Oskar blieb nichts anderes übrig, als brav mit ihr knutschen. er griff am Ende sogar an Rosis Hintern, was Korbi ihm hoch anrechnete. Vielleicht beruhte es doch auf Gegenseitigkeit, zumindest mittlerweile. Einigen Reportern war es so unangenehm das mitanzusehen, dass sie einfach irgendwann anfingen, zusammenzupacken. Sogar da Moser sah sich irgendwann gezwungen, mit einem nervösen Lachen den wildgewordenen Teenagern während ihrer zweiten Jugend auf die Schultern zu klopfen, um sie zum Aufhören zu bewegen.
Frau Hänsle-Schmitt versicherte nochmal allen, dass sie bester Gesundheit sei und empörte sich darüber, man wolle ihr das Recht absprechen “a bissl a’ Lauftraining” zu machen. Außerdem sei sie die Schnellste von prokai gewesen, könne man nicht darüber vielleicht mal berichten. “Dreckerte Ratschkathl” seien die Zielgruppe dieser Schmutzkampagne.
Wenig später, als die gesammelte Mannschaft den improvisierten Messerstand abbaute, fragte Frau Hänsle-Schmitt: „Ja zefix, wo is‘ jetzt da Moser?“
Breit grinsend kam dieser mit einem Zettel in der Hand um die Ecke gebogen. „Griaß-Di-TV benutzt jetzt prokai als deren HR-Software. Des san 90 User. Da Produktionsleiter hat grad unterschrieben.“
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Crossposting – Canonical bzw. Original auf prokai.de – Fanfiktion.de / AO3 / Wattpad
Disclaimer: Reale Software, fiktive Geschichte.
prokai ist eine real existierende HR-Software Komplettlösung, die neben Zeiterfassung und Projektmanagement auch auf ein komplettes ERP-System erweitert werden kann. Sie wird hier (im Gegensatz zum Rest der Geschichte) realistisch dargestellt. Alleinstellungsmerkmale von prokai sind tatsächlich eine schnelle Implementierung in wenigen Stunden, kinderleichte Bedienung und ein fairer kleiner Preis für KMUs. Diese Fanfiction ist ein humoristisches Herzensprojekt der Marketingabteilung von prokai. Ähnlichkeiten mit realen oder fiktiven Personen sind selbstverständlich rein zufällig. Sollte der BR (oder sonst jemand) eine bayerische Büro-Satire drehen wollen – bitte meldet euch bei uns. 😊
Folge 1: „prologkai“
Korbi stöhnte, Sofie stöhnte. Doch leider nicht in umschlungener Zweisamkeit, wie Korbi insgeheim wünschte, sondern weil ihr gemeinsamer Chef, der „Moser“, mal wieder das gesamte Büro für eine seiner Marketingideen einschwor. Wolfgang Mosers Brust (und Bauch) schwoll auf ungeahnte Ausmaße an und entließ dann den darin tobenden Reklame-Sturm für ihre HR-Software prokai.
“Die meisten HR-Lösungen dauern ewig. Bis die eingeführt san …”, donnerte er anklagend in seine Belegschaft. Korbi hätte schwören können, Windböen in den eigenen Haaren zu spüren.
“Des is’ ein regelrechter Marathon, wo keiner Geld für hat!”, empörte Moser sich weiter, als ob niemand in dem kleinen Meetingraum um die Vorteile ihrer eigenen Personalsoftware wüsste.
Korbi und Sofie tauschten einen Blick der hochgezogenen Augenbrauen aus. Weder die prokai-Messeaufsteller im Büro, die von der einfachen Bedienbarkeit kündeten, jedoch den Weg zum Drucker versperrten, noch die Plakatwand beim Lidl auf der anderen Straßenseite, die prokai als regionale Softwarespezialität anpries, schienen bei Moser den Eindruck zu erwecken, dass seine Mannschaft das eigene Produkt gut kannte. Bis aufs stille Örtchen schrien die Werbesticker “Wenn dich deine HR-Software zur Diva macht, hol dir prokai” die eigenen Mitarbeiter an, es bloß nicht zu vergessen.
Der gewaltige Schnauzbart ihres bayrischen Chefs erzitterte kurz, bevor er sich noch steigerte: “Deswegen rennen mia jetzt – mit unseren prokai-Shirts an – ein Halbmarathon. Des dauert genau unter zwei Stunden…” er fixierte seine Mannschaft aus Korbi (IT-Support), Sofie (Büroassistenz) und Oskar (ebenfalls IT-Support), wie ein Kreisligatrainer in der Halbzeitpause.
Oskar nutzte die kurze Stille natürlich sofort zum Arschkriechen und rief begeistert rein: “… So kurz, wie die prokai Einführung dauert!”.
Stolz kräuselte sich Mosers Schnauzer zu einem Lächeln. “Genau, weil des langt, bis man unser HR-Baby benutzen kann!”, schloss er ab. „Des muss halt bloß auch die Welt da draußen erfahren.”
Korbi seufzte, Sofie seufzte und er hätte schwören können, sogar die Kaffeemaschine in der Ecke seufzte. Wie er den Moser kannte, würde er jetzt alle um 7:00 in der Früh antanzen lassen, um zehn Runden um den Lidl-Parkplatz zu hecheln. Zehn peinliche Runden im Scheinwerferlicht der eigenen Reklametafel, nur um drei Leads mehr einzuheimsen – wenn überhaupt. Diese verlorene Energie beim eigentlichen Arbeitsbeginn um 8:00 wieder herzustellen, traute sich vermutlich nicht mal ihre treue, immerfleißige Kaffeemaschine zu.
“Jetzt macht nicht so ein Gesicht”, feuerte Moser seine Startelf an. “Reden ist Silber, aber Schwitzen ist Gold!”
“Genau”, pflichtete Oskar ihm bei und Sofie verdrehte ihre schwarz geschminkten Augen. Korbi verzückten ihre Grübchen, als sie genervt den Mund verzog.
“Sofie, Korbi! Ihr zwoa organisierts des. Morgen in der Früh geht’s los mit dem Training”, hörte Korbi seinen Chef delegieren. Er hatte mit seiner Vermutung Recht behalten und durfte zur Belohnung tatsächlich um den Parkplatz joggen. Während er Oskar aus dem Augenwinkel begeistert mit den Händen klatschen sah, wagte er einen vergeblichen Abwehrversuch: “Ich mach doch IT-Support.”
“Und ich Sekretariat!”, sprang Sofie ihm zur Seite.
„Schmarrn.“ Moser bedachte beide mit einem kurzen Blick und versetzte dann ungerührt: “Und wehe einer kommt mit einem Bayern-Trikot. Mia san Sechziger! Mein liebes prokai wird mir nicht mit den Roten zusammen gezeigt! Des Menschliche in Human Resources Software gibts noch bei uns bei prokai; und des menschliche im Fußball gibts noch bei uns Blauen. So! Auf gehts!”
Korbi und Sofie warfen sich einen leidigen Blick zu und damit war das Meeting offensichtlich beendet, denn Moser rollte wie eine Dampfwalze zurück in sein Büro, Oskar in seinem Fahrwasser mit sich ziehend, und bellte schon die nächsten Befehle, die dieser eifrig in sein Tablet schrieb.
Auch wenn Korbi sich wenig Schlimmeres vorstellen konnte, als in aller Herrgottsfrühe mit seinen Arbeitskollegen auf einem Supermarktparkplatz Runden zu laufen, so freute er sich doch sehr auf die viele gemeinsame Zeit mit Sofie, die ihm aufmunternd auf die hängenden Schultern klopfte und ihm zuraunte: „Des wird schon, Korbi. Machen wir das Beste draus.“ Und schon wurde es ihm wieder warm ums Herz. Bis zum nächsten Morgen.
Das erste Training
Es nieselte und der Lidl-Parkplatz glänzte mitleidig im violetten Morgenlicht, als Moser mit seinem geliebten Oldtimer, einer gelben Ente, vorfuhr. Die selbsternannte rechte Hand Oskar war selbstverständlich als erstes dort gewesen und dehnte sich schon höchst unerotisch, als Korbi und Sofie beim Lidl eintrafen. Auch Rosi aus der Personalabteilung und Frau Hänsle-Schmidt aus der Buchhaltung waren für ihre freilich hochgeliebte HR-Software angetreten. Alle trugen die neonblauen prokai-Shirts, die von der letzten Personalmesse übrig geblieben waren, im Nieselregen jedoch einiges an Strahlkraft eingebüßt hatten.
Moser zwängte seinen gewaltigen Körper hinter dem viel zu kleinen Lenkrad hervor und klatschte begeistert in seine behaarten Pranken, die als Einzige nicht im nasskalten Aprilwetter blau angelaufen waren. “Griaß eich! Wer filmt des ois?”, begrüßte er die begossenen Pudel seiner Laufgruppe.
Wenige Sekunden später wackelten hellblaue Leibchen hinter Moser, dem menschengewordenen Rauhaardackel mit gewaltigen Körpermaßen und noch gewaltigerem Schnauzbart, über den nassen Parkplatz. Korbi und Sofie versuchten halb laufend, halb fotografierend ein paar Bilder für den prokai-LinkedIn-Kanal einzufangen, die weniger Fremdscham und mehr “wir-laufen-die-extra-Meile“ ausdrückten.
“Schaut’s – unsere Werbung!”, dröhnte Moser, dessen mächtiger Bass noch keine Ermüdungserscheinungen vom Joggen zeigte, und deutete auf das Plakat, das prokai als regionale HR-Softwarespezialität bewarb. Der Produkthinweis sagte explizit: „Liebe Personaler, des‘ IS‘ ein Serviervorschlag!“.
“Davor laufen mia jetzt alle lang. Und ned wie trauriges Gemüse bitte.” Er schnaufte hörbar und bellte dann hinterher “CHEESE!”.
Sofie versuchte das Unmögliche: Das blau wackelnde Michelinmännchen mit dem Stammtischschnauzer so zu fotografieren, dass es nicht aussah wie eine Bewerbung für “The Biggest Loser”. Korbi auf der anderen Seite mühte sich ab, Rosi, die wohlwollend betrachtet den Körperbau einer sehr schlanken Vogelscheuche hatte, jedoch auf ein XXXL prokai Shirt bestanden hatte, nicht wie Haut und Knochen – naja, Blau und Knochen – aussehen zu lassen.
Oskar hatte zur Unfreude aller (außer Rosi anscheinend, wie Korbi schmunzelnd bemerkte) hautenge Kompressionsshorts angezogen, die leider wenig Raum für Interpretation boten, da sie generell wenig Raum boten. Natürlich in den prokai-Farben. Es musste eine Eigenanfertigung sein, denn über seinen eng eingepackten Pobacken stand in sehr kleinen Lettern: “Wenn Sie das hier lesen können, suchen Sie zu dringend ein HR-System – pro(ktolog)kai“, was tatsächlich lustig war, das musste Korbi anerkennen. Dass Speicherlecker-Oskar sich nun in der Fotopause zum Dehnen in den herabschauenden Hund begab, trübte Korbis Bewunderung allerdings schnell wieder.
Sofie knuffte ihm in die Seite, um ihn auf Rosi aufmerksam zu machen, die konzertiert ihrer Unterlippe kaute, während sie die witzigen Zeilen auf Oskars emporgestreckten Hinterteil eingehend studierte. Korbi flüsterte Sofie ein lautloses “Oh mein Gott” rüber, welches sie mit einem schelmischen Schulterzucken quittierte, dann kicherten beide ob der Absurdität der ganzen Szene.
Wieder im Büro trieb ein schnaufender wilder Eber namens Moser das schmunzelnde Duo weiter an: “Ihr zwoa.. machts eine.. LinkedIn.. Kampagne.. draus!”
Von Lidl zu LinkedIn
Ob Regen oder Schweiß von den äußeren Borsten des mächtigen Schnauzbarts herunter auf den prokai-blauen-Teppichboden troff, vermochte Korbi nicht zu sagen.
“HR-Software… Einführung.. darf kein.. Marathon sein…. und …” stieß ihr Chef hochrot hervor und stützte seinen bebenden Oberkörper an einer Wand ab.
Sofie beeilte sich Mosers Satz zu beenden, bevor er noch hier im Büro kollabierte. “… und mit prokai läufts in unter zwei Stunden. Jaja, das wissen wir. Machen Sie sich keine Sorgen, Herr Moser”, fügte sie eilig hinzu, schnappte sich Korbi am Arm und zog ihn mit ins Büro während sie laut und für ihren Chef gut hörbar mit Korbi über die Kampagne sprach, damit er sich beruhigte und wieder zu Luft kam. Korbi hingegen war elektrisiert von ihrer Berührung an seinem Arm und stolperte ja-sagend neben ihr her. Alle Haare seines Unterarms kribbelten unter der Berührung ihrer schwarz lackierten und unglaublich weichen Finger.
Der Eine, sie zu knechten
Etwas später am Tag krachten Mosers fleischige Oberarme auf Sofies Pult und prüften die Standhaftigkeit des billigen Ikea-Holzes, das schmerzerfüllt unter dem Bierfass eines Oberkörpers ächzte.
“Du Sofie, jetzt sag a’ mal.” Seine riesige Pranke einer Hand fördert ein im Vergleich winzig erscheinendes iPhone hervor, das er Sofie weniger unter, als vielmehr gegen die Nase hielt. “Schau dir des a’ mal an”, bellte er so laut durchs Büro und gegenihre Haare, dass sich ihre schwarze Mähne kurz, wie bei der Landung eines Helikopters, in alle Richtungen gleichzeitig plattdrückte und fügte dann leise, nur für ihre Ohren, ja fast zärtlich, hinzu: “Der Oskar … des is’ a guter Fang. Ich hob gesehn, wie du sein knackerten Oarschl in der Radlerhose o’geschaut hast.”
Sofie war so überrascht von Mosers Vorstoß, dass es eine Untertreibung war zu sagen, dass sie ihre Augen aufriss. Ihre Augäpfel versuchten geradezu, heraus aus ihrem Schädel, vor der Situation zu fliehen.
“W … Was?”, stammelte sie hervor und sah sich panisch um, nach einem rettenden Anker, etwa dem unerreichbaren Feueralarm an der gegenüberliegenden Wand und nach Möglichkeiten zur spontanen Selbstentzündung. Sie blickte jedoch nur in den ganz normalen Büro-Wahnsinn aus prokai-Messeaufstellern, quietschenden Schreibtischstühlen und HR-Software Werbestickern.
“Ich äh…”, improvisierte sie panisch, “ähh… ich bin doch verheiratet, Herr Moser.”
„Warum trägst du denn koan Ring zefix?“, flüsterte der kuppelnde Rauhaardackel zurück. „Weißt du ned, dass ich deswegen eine Watschn von der Personalabteilung kriegen kann? Wegen denen muss ich eh andauernd mei Maul haltn.“
Wann der Moser je leise gewesen war, wollte Sofie gerne wissen, beeilte sich jedoch schnell eine plausible Antwort hervorzubringen.
„Ich äh… habe eine Allergie gegen das Metall bekommen“, plapperte sie in gedämpftem Ton drauf los. „Ich wollte ja natürlich einen schwarzen Ring. Aber da hab‘ ich leider einen Ausschlag bekommen“, zuckte sie mit den Schultern und hoffte, dass sich der bedrohliche Schnauzbart wenigstens ein paar Zentimeter von ihrem Gesicht wegbewegen würde.
„Joa mei, wenn ich des gewusst hätte. Unsere Sofie. Ist schon unter der Hauben.“
Ob dieser Neuigkeit schüttelte Mosers fassartiger Brustkorb los vor Lachen. „Joa mei. Hahaha. Wenn ich des gewusst hätte.“ Damit rumpelte ihr Chef vor sich hin glucksend davon in sein Büro. Für ihn war die Sache damit anscheinend gegessen.
Sofie prüfte ihre Smokey Eyes und strich sich die rabenschwarze Mähne nach hinten, weniger aus Eitelkeit, vielmehr um ihren Puls mit den routinierten Bewegungen wieder zu beruhigen.
Korbis Herz, das die ganze Szene ähnlich schockiert mitverfolgt hatte, wenn auch aus anderen Gründen schockiert, zerbrach in diesem Augenblick. Nicht in tausend Teile, wie man das im deutschen Schlager besang. Vielmehr wurde es unsanft entzwei gezogen, bis das eine Stück wie ein Kloß gegen seinen Hals drückte und sich die andere Hälfte schwer gegen sein Zwerchfell presste und das Atmen erschwerte.
Firmenlauf im Olympiapark
Nach drei Monaten Training, nach 600 traurigen Runden um den Lidl Parkplatz, war der große Firmenlauf im Olympiapark endlich da.
„Dorten holen mia uns die ganzen HR-Leads rein“, frohlockte Moser und hatte zudem beschlossen, während des Laufs ein Live-Interview zu geben, das auf sämtlichen Social-Kanälen von prokai gestreamt wurde. Sofie hatte große Bedenken, dass der riesige menschliche Rauhaardackel nicht mal ohne Interview lebend aus dem Lauf kommen würde, aber es gab keine zwei Meinungen bei seinen Unterfangen.
Sie und Korbi saßen in einem extra angemieteten E-Lastenrad, damit sie den prokai-HR-Run möglichst ruckelfrei und mit möglichst vielen Live-Stream-Handys in die Welt übertragen konnten. Korbi hatte sich erkältet und sie sich den Knöchel verstaucht, da sie filmend über einen Bordstein gestolpert war. Glück im Unglück.
„Was bedeutet dieser Lauf?“, begann Moser sich selbst die Fragen zu stellen, nachdem die Menschentraube des Münchner Firmenlaufs sich in Gang gesetzt hatte. Hinter ihm schwenkte Oskar eine prokai-Flagge mit dem Versprechen: „HR-Einführung sollte kein Marathon sein. prokai läuft in unter zwei Stunden“, und verstieß damit sicherlich direkt gegen mehrere Sicherheitsbestimmungen der Veranstaltung. Eingekesselt von einer geschniegelten Toloitte-Laufgruppe, einer bunten Alt von Glänz Agency und der riesigen AVVO-Belegschaft waren sie aber bestimmt sicher vor den Ordnern des Olympiaparks, kalkulierte Sofie, während sie Mosers Monolog für LinkedIn-Live filmte. Außerdem waren Rosi, die ohnehin immer gerne hinter Oskars Hinterteil herlief, als auch Frau Hänsle-Schmidt dazu angehalten worden, unliebsame Störungen von der prokai Werbebotschaft fernzuhalten.
„Mia san jetzt.. bei einer Stund‘.. und Dreißige“ schnaufte Moser etwas später in die Kameras, dessen Kopf mittlerweile eher einer hochroten Tomate mit Schnauzbart glich. „Des ist eine.. gute Pace..“
Oskar sprang seinem schwer atmenden Vorbild zu Seite und fügte hinzu: „In dieser Pace wird auch prokai ihre HR einfacher machen!“ Zur Bestätigung versuchte er, die Flagge in den gefilmten Bildausschnitt zu schwenken, traf damit beinahe eine Läuferin der Alt von Glänz Agency und schließlich ein dickes, straff gespanntes Kabel, das von einem Food-Truck zu einem Verteilerkasten führte.
Einen Augenblick passierte nichts. Dann passierte alles.
Oskar wurde nach hinten gerissen und ging unsanft zu Boden. Eine Massenkarambolage entstand, Unternehmensberater stürzten über Agenturmädels, Moser bellte Anweisungen und Rosi warf sich todesmutig in die Menge, um ihren Oskar zu retten. Wie ein Theatervorhang senkte sich die neonblaue prokai-Flagge über die ungewollte Netzwerkveranstaltung am Boden und tauchte die Unglückseligen in Dunkelheit.
Des is ois Content
Am selben Abend nach dem Firmenlauf saßen Korbi und Sofie zu zweit im Meetingraum. Draußen ging die Sonne hinter dem Lidl-Parkplatz unter und tauchte die Werbetafel ihrer regionalen Softwarespezialität in ein warmes Orange. Auf dem Tisch stapelten sich Müsliriegel, Kaffeetassen und mittlerweile auch ein paar Bierflaschen. Den ganzen Nachmittag und Abend hatten sie Content gepostet und nun schien endlich der letzte Beitrag veröffentlicht, die wichtigsten Kommentare beantwortet und – man glaubte es kaum – die ersten Anfragen für prokai an den Vertrieb übergeben.
„Wer hätte gedacht, dass wir nicht nur eins, sondern sogar zwei virale Videos produziert haben“, lehnte sich Korbi ächzend, aber zufrieden, in seinem Stuhl zurück. Kurz betrachtete er Sofies dunkle Lippen, fokussierte sich dann aber wieder auf sein Feierabendbier.
„Rosi hat sich mit ihrer hochengagierten Mund-zu-Mund Beatmung aber auch ordentlich ins Zeug gelegt“, lachte Sofie. „Eigentlich NSFW und mindestens ein Fall für die Personalabteilung.“
„Rosi! Ich bin nicht tot“, äffte Korbi schmunzelnd den hilflosen Oskar nach, wie der versuchte sich vor einer sehr feuchten und züngeligen Reanimation zu retten. „Wer hätte ahnen können, dass sie eine solch leidenschaftliche Küsserin ist.“
Sofie hielt sich den Bauch vor Lachen und blickte Korbi verschmitzt an, der ihren Blick kurz ebenso schelmisch erwiderte, sich dann aber wieder – etwas zu abrupt, fand Sofie, aber vielleicht bildete sie sich das ein – seinem Bier widmete.
„Und die zwei Stunden haben wir auch noch geknackt“, schüttelte die Sekretärin ungläubig ihren Kopf und betrachtete ein Bild von Frau-Hänsle-Schmidt im prokai-Laufshirt, die stolz ihre Finishtime von 01:59:13 in die Kamera hielt.
„Jetzt ist unsere gute alte Buchhalterin kurz vor der Rente doch noch zum Model geworden“, nickte Korbi anerkennend und schloss endlich sein Notebook. „Jetzt werden wir sie erstmal Monate, vielleicht sogar Jahre lang, auf jeder Webseite, jedem Flyer und natürlich jedem Toilettensticker sehen“, seufzte er.
„Man muss es Moser zugutehalten…“, meinte Sofie und klappte nun, ebenfalls geschafft, ihren Laptop zu. „Die ganze Halbmarathon-Idee und der Spruch: Neue HR-Software in unter zwei Stunden mit prokai… Das hat sehr gut funktioniert.“ Nach einer kurzen Pause fügte sie noch hinzu „Gehen wir noch was trinken?“
„Och puh, ich bin ehrlich gesagt hundemüde“, erwiderte Korbi entschuldigend und packte zusammen. „Bis Montag, Sofie.“
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Crossposting – Canonical bzw. Original auf prokai.de – Fanfiktion.de / AO3 / Wattpad